Lektüretipps v.a. für Lehrer/innen und LerntherapeutInnen
Schriftspracherwerb, Rechtschreiben, Lesen, Vorlesen, Hörbücher, Legasthenie / LRS, Diagnostik
zum Schriftspracherwerb:
Schründer-Lenzen, Agi (2004):Schriftspracherwerb und Unterricht. Bausteine professionekken Handlungswissens. Leske + Budrich:Opladen.
Weinhold, Swantje (Hrsg.) (2006). Schriftspracherwerb empirisch. Konzepte - Diagnostik - Entwicklung. Schneider Verlag.
Christa Röber und Carl Ludwig Naumann legen umfassend und aktualisiert ihre Basiskonzepte - silbisch bzw. graphematisch - dar. Karl Holle beschäftigt sich mit einer wichtigen Lesekomponente, dem flüssigen Lesen. Außerdem werden aktuelle empirische Untersuchungen zum Schriftspracherwerb in der Grundschule und Sekundarstufe 1 vorgestellt, u. a. von Swantje Weinhold. Sie hat in einer Längsschnittstudie die Schriftsprachentwicklung von 248 Schüler/innen der Klassen 1-4 untersucht. Im Mittelpunkt stehen 5 Klassen, die mit der Silbenanalytischen Methode arbeiten, zu der bislang keine empirischen Studien vorliegen. Fünf weitere Klassen werden mit einer Fibel unterrichtet ("Fara und Fu" bzw. "Tobi-Fibel") und drei Klassen mit der Methode "Lesen durch Schreiben". Erste Ergebnisse zu den Entwicklungsverläufen im Lesen- und Schreibenlernen für die 1. und 2. Klasse werden dargestellt.
Zum Rechtschreiben und Rechtschreibunterricht:
Spiegel, Ute (20062). Richtig schreiben. Grundlagen und Strategien – Übungen für das 2. – 4. Schuljahr. Berlin:Cornelsen Verlag Scriptor.
Ute Spiegel ist Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Deutschdidaktik an der Uni Augsburg und Grundschullehrerin. Sie promovierte 1999 mit einer Arbeit zum Rechtschreiben (bei K. Spinner).
Hervorragende und überaus leserfreundlich geschriebene Praxishilfe, mit vielen guten Ideen!
- kurzer theoretischer Teil zu unterschiedlichen Aspekten des kindlichen Lernprozesses
- Grundpfeiler eines guten Rechtschreibunterrichts:Lernwörterkartei, Rechtschreibstrategien, Üben, Arbeitstechniken,
- interessante Unterrichtsvorschläge
Und hier noch eine kleine, geraffte Leseprobe (mit Genehmigung des Verlages), weil mir das Buch wirklich gut gefällt. Ich wünsche mir sehr, dass es zusammen mit den Werken anderer sehr guter RechtschreibdidaktikerInnen, die hier nicht aufgeführt sind, große Verbreitung findet. Dies gilt gerade in Zeiten, in denen für Kinder, die beim Rechtschreiben erhebliche Probleme haben, Onlinediagnostik mit anschließenden Arbeitsblattfluten propagiert wird.1
"Prototyp einer Nachdenkstunde
Das gemeinsame Nachdenken mit den Kindern über rechtschriftliche Fragestellungen steht im Zentrum des Rechtschreibunterrichts. Es wird deutlich weniger Zeit als das Üben in Anspruch nehmen, ist diesem aber vorgeschaltet, da es sinnvolles Üben erst ermöglicht. (...)
(...) Die Problemstellung kann im Zusammenhang mit Texten ebenso geschehen wie am isolierten Wortmaterial. Im Zentrum des Unterrichts steht die Hypothesenbildung, diese wird unterstützt durch Handlungen des Suchens, Überlegens, Kategorien Bildens und Ordnens. Diese Handlungen intendieren Systematisierungen und Generalisierungen. Interessant dabei ist, dass Kinder oft andere Ordnungen finden als solche, die vom Lehrer geplant wurden. Hierdurch geben sie entscheidende Aufschlüsse über ihr Denken. Am Ende eines solchen gemeinsamen Nachdenkens steht nicht eine Regel, (...), sondern eine Handlungsbeschreibung:(...)." (S.32, 2005, 1. Aufl.).
Beispiel für diese Vorgehensweise bei einer Rechtschreibstunde zum <ie>:
"Einführung:Wortkarten werden den Kindern gemischt angeboten. (...) Die Kinder werden aufgefordert, die Wörter in zwei Gruppen aufzuteilen.
(...) Pilze, Stifte Schirme, Winde (...) kriegen, lieben, Riese, Wiese, spielen (...)
Nach Ordnungen suchen:Die Kinder werden verschiedene Ordnungen finden, die alle eine Würdigung verdienen (...). Nach entsprechder Würdigung hilft der Hinweis, dass bei der gesuchten Ordnung die Einteilung ohne Rest in zwei Spalten aufgeht. Die Einteilung in dei Spalten 'mit <ie>', mit <i>' finden die Kinder schnell.
Eine Regel aufstellen:(...) Woran kann ich erkennen, ob man ein Wort mit <ie> oder mit <i> schreibt? (...)
Zur Verdeutlichung werden die Wörter nun in Silben getrennt (Umknicken der Wortkarten) und die Buchstaben zweifarbig markiert (Vokal/Konsonant). Es ergibt sich ein eindrucksvolles Bild:In der ersten Spalte enden alle Wörter mit <ie>, in der zweiten Spalte alle mit einem (...) Konsonanten. (...)
Anwendung und Übung:(...)" (S.92f, 2005, 1. Aufl.).
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1 Damit ist der "Lernserver" gemeint. Eine Stellungnahme von Erika Brinkmann zu dessen Angebot ist in der Grundschulzeitschrift (2006/197) abgedruckt, unter dem treffenden Titel:"Lasst euch nicht für dumm verkaufen!". Er ist online im Internet (auf den Seiten dieses Lernservers) als PDF-Datei vorhanden.
Zum Lesen:
Scheerer-Neumann, Gerheid (2003). Entwicklung der basalen Lesefähigkeit. In Ursula Bredel et al. (Hg.):Didaktik der deutschen Sprache. Band 1. Paderborn.
Sasse, Ada & Valtin, Renate Hg. (2005). Lesen Lehren. Deutsche Gesellschaft für Lesen und Schreiben.
Schiefele, U., Artelt, C., Schneider, W. & Stanat P. (Hg.). Entwicklung und Förderung von Lesekompetenz:Vertiefende Analysen im Rahmen von Pisa 2000. Wiesbaden:Verlag für Sozialwissenschaften.
Zum Vorlesen:
Praxis Deutsch (2006,Nr. 199). Vorlesen und Vortragen. Friedrich Verlag.
Hörbücher:
Müller, Karla (2006):Hörbücher im Deutschunterricht (Basisartikel). In:Die Grundschulzeitschrift, 193. S. 4-8.
Legasthenie:
Klicpera, Ch.; Schabmann, A. Gasteiger-Klicpera, B. (2003). Legasthenie. Modelle, Diagnose, Therapie und Förderung. Ernst Reinhardt Verlag:München.
Leseschwierigkeiten:
Scheerer-Neumann, Gerheid (2003). Leseschwierigkeiten. In Ursula Bredel et al. (Hg.). Didaktik der deutschen Sprache. Band 1. (S. 551-567). Paderborn:Verlag Ferdinand Schöningh.
Diagnostik von Lese-Rechtschreibschwierigkeiten
Hasselhorn M., Schneider W. & Marx H. (2000). Diagnostik von Lese-Rechtschreibschwierigkeiten. Jahrbuch für pädagogisch-psychologische Diagnostik. Tests und Trends. N. F. 1.
u. a. zum Bielefelder Screening / Salzburger Lese- Rechtschreibtest (SLRT) / Würzburger Leiseleseprobe (WLLP) / Knuspels Leseaufgaben.
Zur Diagnostik des Leseverständnisses:
Lenhard, Wolfgang; Schneider, Wolfgang (2006):ELFE 1-6. Ein Leseverständnistest für Erst- bis Sechstklässler. Göttingen…:Hogrefe.
ausführliche Informationen im Internet: www.elfe-lesetest.de
Von einer anderen Forschergruppe (Souvignier, Elmar et al.) wird gerade an einem
Leseverständnistest für die 5. und 6. Klasse gearbeitet (2 Testformen; beide beinhalten je einen narrativem Text und einen Sachtext mit je ca. 500 Wörtern und einem höheren Anforderungsniveau an das Textverständnis.)
